Interview: Die neue Ära Schmitt

„Wir leben innovative Logistik“

Gespräch mit Rainer Schmitt, Geschäftsführender Gesellschafter, und Projektmanager Benjamin Sommer zum neuen eActros und den nächsten Schritten seit der Firmengründung.

Was war der Anstoß, an dem Projekt der Daimler AG mitzuwirken, einen eActros einzusetzen?

Schmitt: „Wir haben erstmals 2012 „Innovative Logistik“ auf unsere Lkw-Planen geschrieben. Ganz bewusst, weil wir die Tradition unseres Unternehmens, das seit über 70 Jahren besteht, immer weiter entwickeln. Wir erleben jetzt die Elektro-Mobilität als Riesenumbruch. Was die Automobilbranche, der größte Industriebereich in Deutschland, sicherlich massiv verändern wird – und da wollen wir mit dabei sein. Wenn wir dabei ein kleines Mosaiksteinchen in der neuen Geschichte der Technik sein dürfen, ist das gut und spannend.“

Sommer: „Als klar war, dass Daimler einen eActros im laufenden Betrieb testen will, war für uns klar: Dabei möchten wir als Spedition mitmachen. Die ersten Gespräche haben wir Ende 2017 geführt. Bei der Auswahl unserer internen Projektgruppe wurde schnell deutlich: Uns packt alle der Pioniergeist. Wir haben ja ein Fahrzeug ohne Oberleitung im Einsatz, aber eben elektrisch. Das muss alles organisiert und in unsere Planung eingebunden werden. Wir brauchen natürlich auch speziell geschulte Fahrer.”

Das klingt nach Experiment. Was reizt Sie an diesem Prototypen?

Sommer: “Es gibt nichts Besseres, als eigene Erfahrungen zu sammeln: Wie wird der Stromverbrauch sein? Was bedeutet das für die Reichweite, gerade in Bezug auf die Nutzlast? Wie ist die Ausfallsicherheit? Was verändert sich für den Fahrer? Auch das Betanken ist natürlich ein anderer Vorgang. Wir setzen eine mobile Ladestation ein. Wir geben unsere Erfahrungen an Daimler weiter. Darum geht es ja bei dem Prototypen. Wir erleben die Praxis und können sagen, was wir optimieren würden.”

Jedes Unternehmen will wirtschaftlichen Erfolg. Das kann jetzt nicht Ihre Motivation für diesen Test-Einsatz sein. Was treibt Sie an?

Schmitt: “Wir sind ein kleiner Dienstleister. Das ist schon spannend, dass wir dieses Zukunftsprojekt zusammen mit Daimler machen können. Das bringt uns Einblick in die neue Technik. Das bringt Attraktivität für die Fahrer. Den eActros wollen bei uns bestimmt viele fahren. Das zeichnet uns natürlich auch gegenüber dem Wettbewerb aus. Wir werden wahrgenommen.”

Was sehen Sie als größten Unterschied zu dem Unternehmen der Anfangszeit, als Ihr Großvater die Spedition Schmitt gegründet hat?

Schmitt: “Das war in den 71 Jahren immer eine spannende Zeit. Aber jetzt haben wir die Schlagzahl nochmals erhöht. Wir haben die Mitarbeiterzahl mehr als verdoppelt. Wir bauen ein neues Headquarter. Wir haben noch mehr Lkw. Das zieht natürlich den Aufbau vieler Bereiche nach sich. Wir hatten das Glück, dass wir viele neue Projekte von Kunden haben, die uns immer wieder neu herausgefordert und somit weitergebracht haben.“

Sommer: “Auch in der Zusammenarbeit mit der Porsche AG sieht man, wie sich unsere Branche verändert. Wir müssen uns heute viel mehr Gedanken über die Abwicklung machen. Bei dem Auftrag von Porsche transportieren wir Batterien. Das sind Sondertransporte mit Gefahrgut. Da gibt es keine vorhandenen Transportsysteme. Da entwickeln wir selbst Konzepte, die wir mit Porsche abstimmen und schließlich auch von der Dekra zertifizieren lassen. Wir müssen die Sicherheitsaspekte beachten und natürlich stets die Wirtschaftlichkeit. Da bilden wir ein Team mit unseren Experten und zeigen auch nach außen, dass wir verantwortungsvolle und mitdenkende Partner sind. Innovation ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern gerade auch von Strategie und Know-how.”

Gibt es schon spruchreife neue Projekte der Zukunft?

Schmitt: “Wir schauen in viele Richtungen. Auch in andere Branchen. Klar, wir wollen uns weiterentwickeln. Das hängt heute ganz besonders von der Qualität der Mitarbeiter, also auch von den neuen Bewerbern ab. Und bei der Technik entwickelt sich so viel Spannendes. Autonom fahrende Gabelstapler sind sicherlich bald reif für den Einsatz. Es wird sich zeigen, was alles praktikabel und wirtschaftlich sinnvoll ist. Manchmal werden wir auch zum Schluss kommen: Das setzen wir nicht um. Oder noch nicht. Das bleibt spannend und macht uns viel Spaß! Da können unsere Mitarbeiter und unsere Kunden, auch Neue, noch viel von uns erwarten.”