E-Lkw von Mercedes Benz geht in Serie

Ab dem 7. Oktober will Mercedes Benz der rein batterieelektrisch angetriebene Lkw eActros in Wörth am Rhein produzieren. Er soll vor allem im Stadtverkehr Waren verteilen.

Der Elektro-Lkw soll eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern haben. Die Reichweite hat Mercedes-Benz „intern“ ermittelt. „Bis zu“ bedeutet unter anderem die größere Ausstattung mit vier Batteriepaketen und eine Vorkonditionierung im Betrieb bei 20 °C Außentemperatur.

Geladen wird der eActros mit einer Leistung bis zu 160 kW. Schnell geht das aber nicht. Selbst mit der kleineren Batterievariante (drei Batteriepakete) braucht er laut Hersteller an einer 400-A-DC-Schnellladesäule eine gute Stunde, um von 20 auf 80 Prozent aufzuladen. Die Dauer bis zur Vollladung oder für die Ladung der größeren Batterieausstattung erwähnt das Unternehmen in der Pressemitteilung nicht.

Mercedes-Benz bewirbt den eActros daher vor allem für Verteilerverkehr. Der lokal emissionsfreie Elektromotor erleichtert zum Beispiel die Lieferung in Innenstädten. Er soll zudem nächtliche Lieferungen ermöglichen, die bisher wegen der Lärmbelastung nicht möglich waren.

Fertigung der Komponenten an verschiedenen Standorten in Deutschland

Yaris Pürsün, Leiter der globalen Produktion von Antriebskomponenten für Daimler Truck, nennt den Fertigungsstart für den E-Lkw eine „neue Ära“ für den Produktions- und Technologieverbund der deutschen Aggregate-Werke. Die Produktion der Komponenten verteilt sich auf die Standorte Mannheim, Kassel und Gaggenau.

Im Kompetenzcenter für Emissionsfreie Mobilität (KEM) in Mannheim montieren die Arbeiter:innen jeweils sechs Batteriemodule zusammen mit Stromschienen, Steuergeräten weiteren Komponenten zu einem einsatzfähigen Paket mit einer Schnittstelle zum Fahrzeug. Die fertigen Batteriepakete sind knapp 2,20 Meter lang, 75 cm breit und 55 cm hoch. Pro Lkw kommen drei oder vier Batteriepakete zum Einsatz.

Das Mercedes-Benz Werk Kassel montiert die komplette e-Achse. Die dafür benötigten Getriebekomponenten werden vom Mercedes-Benz Werk Gaggenau zugeliefert. Die e-Achse ist auf der gleichen Basis wie die konventionelle Baureihe aufgebaut. So kann Mercedes-Benz die Fertigungs- und Montageprozesse der e-Achse parallel zu den konventionellen Baureihen auf bestehenden Anlagen durchführen. Das mache den Produktionsprozess maximal flexibel und wirtschaftlich, so das Unternehmen.

Spezielle Komponenten für das Getriebe kommen aus Gaggenau. Bei den mechanischen Bauteilen und Gehäusen, die für das Getriebe relevant sind, ist dabei besondere Präzision gefragt. Neben der Funktion steht bei den E-Lkw nämlich auch ein geringer Lärmpegel im Fokus.

Zwei Elektro-Motoren statt ein Verbrenner

Die Antriebseinheit aus elektrischer Starrachse, zwei integrierten Elektromotoren und Zwei-Gang-Getriebe bezeichnet Mercedes-Benz als Herzstück des eActros. Das Konzept biete im Vergleich zu einem Zentralmotor mehrere Vorteile. Da es kompakter sei, bleibe zum Beispiel mehr Platz für die Batterie. Das ermögliche wiederum eine größere Reichweite. Die direkt Leistungsübertragung sei zudem effizienter und biete einen hohen Fahrkomfort.

Seriennahe E-Lkw gehen in Realbetrieb

Praktisch zeitgleich mit dem Produktionsstart gehen auch vier seriennahe Fahrzeuge nun in den Realbetrieb. Drei davon sind im Pendelbetrieb bei verschiedenen Logistikunternehmen im Einsatz. Ein weiteres ist als Abfallsammelfahrzeug bei Remodis vorgesehen.

Für Logistik Schmitt pendelte ein früher Prototyp seit Juli 2019 testweise zwischen Rastatt und Gaggenau. Nun soll der Prototyp auf dieser Strecke durch einen seriennahen eActros ersetzt werden. Im Dreischichtbetrieb machte der Prototyp bis zu 300 Kilometer am Tag. Auf den Fahrten nach Rastatt transportiert der eActros Getriebegehäuse, nach Gaggenau befördert er Achskomponenten. Die Testfahrten sollen auch Bestandteil eines Konzeptvergleichs für das Oberleitungsprojekt eWayBW werden. Daimler Truck plane selbst aber keine Oberleitungs-Lkw.

Das niederländische Logistikunternehmen Simon Loos nutzt den eActron für die Belieferung einer Supermarktkette. Der E-Lkw ist mit einer Kühlanlage ausgestattet. Er beliefert vom Verteilzentrum in Delfgauw in Südholland aus Supermärkte in Rotterdam, den Haag und Delft und fährt täglich rund 300 Kilometer. Aufgeladen wird er zwischen den Fahrten und nachts an einer Schnellladestation im Verteilzentrum in Delfgauw. Das Logistikunternehmen hofft darauf, dass mit dem seriennahen Fahrzeug nun das Aufladen zwischen den Fahrten entfallen kann.

Bei Tevex Logistics in Rheda-Wiedenbrück, der Logistiktochter der Tönnies Unternehmensgruppe, soll der neue eActros als 27-Tonner im Mehrschichtbetrieb zum Einsatz kommen. In Summe rechnet das Unternehmen so mit bis zu 600 Kilometern Fahrtstrecke pro Tag. Geladen wird der E-Lkw dafür an einer Ladesäule auf dem heimischen Werksgelände.

Ein weiterer eActros soll künftig bei Remondis als Abfallsammelfahrzeug eingesetzt werden. Das Unternehmen will mit dem E-Lkw Gewerbeabfälle in der Kölner Innenstadt einsammeln. Zusätzlich ist ein Testlauf in der kommunalen Haus-zu-Haus-Sammlung geplant.

4.10.2021 | Quelle: Daimler Truck | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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