Bietigheimer Unternehmen testet Elektro-Lastwagen eActros im Alltag

Batterie gegen Oberleitung: Unter dieser Überschrift steht der Konzeptwettbewerb zweier Antriebsarten für Lastkraftwagen, der 2020 im Murgtal stattfindet. Wie berichtet, will das Land zwischen Kuppenheim und Obertsrot das eWayBW-Projekt mit Oberleitungs-Lkw realisieren. Ihr Konkurrent befindet sich bereits im Testbetrieb: Seit drei Wochen setzt die Firma Logistik Schmitt den Benz eActros im Pendelverkehr zwischen ihrem Lager in Ötigheim und dem Rastatter Benz-Werk ein.

Im Dreischichtbetrieb fährt der batteriebetriebene 25-Tonner täglich 168 Kilometer. Beim Be- und Entladen im Lager hängt er rund 30 Minuten am Strom, seine Reichweite beträgt nach Daimler-Angaben ohnehin bis zu 200 Kilometer.

Positive Rückmeldungen

„Bislang sind wir mit dem Fahrzeug sehr zufrieden“, bilanzierte Geschäftsführer Rainer Schmitt am Mittwoch bei einem gemeinsamen Pressetermin mit dem Stuttgarter Autobauer in Ötigheim. Die Rückmeldung der zehn eingesetzten Fahrer sei durchweg positiv: „Ihnen gefällt vor allem das ruhige Fahrverhalten“, berichtet Schmitt, „auch die Reichweite ist für unseren Betrieb auskömmlich.“ Beim Bremsvorgang erfolgt zudem eine Rückspeisung der Energie in die Batterie.

Teure Produktion von eActros

Ob der eActros wirtschaftlich ist, muss sich allerdings noch zeigen: laut Daimler ist seine Produktion deutlich teurer als die eines herkömmlichen Diesel-Lkw. Für die Logistik-Unternehmen zählt letztlich der Preis: „Entscheidend ist, wie viel Cent pro Kilometer der Lkw kostet“, so Schmitt. Mit einer Maximal-Reichweite von 200 Kilometern eignet er sich zudem nicht für den Fernlastverkehr. „Dort ist die Brennstoffzelle effizienter“, erklärt Manfred Schuckert, Leiter Emissionen und Sicherheit bei Daimler-Nutzfahrzeuge.

“Der Diesel hat die Grenzen seiner Effizienz erreicht.”

Auch bei der Nutzlast zieht der eActros den Kürzeren: Mit zwölf Tonnen trägt er rund zwei Tonnen weniger als sein Diesel-Pendant. „Um die EU-Vorgaben bei den CO2-Emissionen einzuhalten, müssen wir auf neue Technologien setzen“, betont Schuckert, „der Diesel hat die Grenzen seiner Effizienz erreicht.“

Einsatz von Elektro-Lkw

Wenn der eActros massentauglich wird – ab 2021 soll er für Unternehmen bestellbar sein – stellt sich auch die Frage nach der Stromversorgung. „Dann brauchen wir eventuell ein leistungsstärkeres Netz“, befürchtet Frank Kiefer. Grundsätzlich sieht der Ötigheimer Bürgermeister das Projekt positiv: „Wir sind stolz, es in unserer Gemeinde begleiten zu können.“ Für die Bürger bedeute der Einsatz von Elektro-Lkw auf lange Sicht eine „deutlich geringere Lärmbelästigung“. Zunächst muss sich der eActros im Testbetrieb gegen den Oberleitungs-Lkw behaupten. 2020 sollen sie parallel auf der B462 zwischen Kuppenheim und Obertsrot verkehren. Daimler verspricht sich davon Erkenntnisse über die Alltagstauglichkeit beider Antriebsarten.

Probieren

Der Klimawandel lässt sich nicht wegdiskutieren, auch wenn es versucht wird. Ebenso wenig die ehrgeizigen CO2-Ziele der EU-Kommission. Man muss deshalb kein Branchenkenner sein, um die Notwendigkeit neuer Technologien zu erkennen. Ihre Entwicklung findet hinter verschlossenen Türen statt, doch erst ein Praxistest wird zeigen, was sie wert sind. Probieren geht eben über studieren.

Auf dem Prüfstand

Daher ist es sinnvoll, bislang wenig erprobte Antriebsarten im Alltag auf den Prüfstand zu stellen. Manch einer mag argwöhnen, Elektro-Lkw seien ein politisches Prestige-Projekt oder eine Spielerei von Technik-Nerds. Dabei wird der deutschen Automobilindustrie doch immerzu vorgehalten, sie hätte sich zu sehr auf Erreichtem ausgeruht und darüber den Anschluss an die Konkurrenz aus Fernost verpasst. Der Testbetrieb soll den Ingenieuren wichtige Erkenntnisse liefern, und das wird er. Für die Bürger bedeutet der Einsatz von E-Lastwagen in jedem Fall eine Verbesserung: Die Lärmbelastung nimmt ab.

Kosten der Zukunft

Klar ist auch: die Entwicklung von strombetriebenen Lkw, ob mit Batterie oder Oberleitung, steckt noch in den Kinderschuhen. Mittelfristig wird sie mit wirtschaftlichen Zwängen konfrontiert. Nur wenn sich die Produktions- und Betriebskosten reduzieren lassen, hat sie auch eine Zukunft.

Quelle: BNN